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Primitivgeld: Neuguinea

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Primitivgeld aus Neuguinea

Noch immer bewegt sich Papua Neuguinea im Spannungsfeld zwischen Steinzeit und modernster Technologie. Die Münzen-prägung der staatlichen Münzstätte weist einen hohen technischen und stilistischen Stand auf. Aber trotzdem hat das Primitivgeld auch heute noch einen hohen Stellenwert. Beinahe alles wurde und wird auch heute noch in abgelegenen Berggebieten als Zahlungsmittel und Schmuck zugleich verwendet. Glänzend bunte Käferflügel, die prachtvollen Schmuckfedern der Paradiesvögel ebenso wie alle Arten von schillerndem Perlmutt, abgeschliffene, zum Teil verzierte Muscheln und Schnecken werden als Zahlungsmittel und Wertanlage geschätzt. Das wichtigste "Kleingeld" aber sind die Kaurischnecken (Cypraea moneta). Die gesparten Kauris werden aber wiederum auch zu Schmuck in Form von Bändert, Ketten, Schnüren verarbeitet und an Kopf, Hals, Armen, Beinen oder um den Leib getragen, oft gemischt mit Käferflügeln, Federn, Knöchelchen, Tier- und Menschenzähnen, bunten Steinen oder Glasperlen. Der Reichtum wird also auch in Neuguinea offen gezeigt.
Händler decken sich auf den Märkten der Städte und Dörfer an den Meeresküsten mit Schnecken und Muscheln ein und über weitere Zwischenhändler gelangen diese zu den Bergvölkern. Dort werden die Rohmuscheln dann in Handarbeit verziert, geschliffen und poliert. Dass diese Meeresschnecken oft auch eine praktische Verwendung finden, zeigt das Bild 13. Aus zwei verschiedenen Schnecken wurde ein Glocke gefertigt, die auch noch ganz hübsch klingt - der Reichtum wird also sozusagen an die "grosse Glocke" gehängt! Besonders wertvoll und gefragt sind die Schalen der Goldlippen-Perlmuschel, Pinctada maxima, die über 30 cm Durchmesser erreichen können. Die Schale ist dick, hart und stabil, daraus werden dann diese charakteristischen Halbmonde gefertigt und über der Brust getragen. Auch die Schwarzlippen-Perlmuschel, Pinctada margaritifera, ist ein wertvolles Tauschobjekt. Die Schalen dieser Art sind deutlich dünner, sie finden deshalb eher zu Ohr-oder Nasenschmuck Verwendung. Viele Papuas in abgelegenen Berggebieten trauen dieser "Muschelwährung" oftmals mehr als dem gemünzten Geld der Regierung. Dem Wunsch der Leute, das Ersparte um den Hals zu tragen, kommt die Münzstätte dadurch nach, dass sie verschiedene Nominale mit Loch prägte und so hängen dann Münzen, Schnecken, Schlüssel, Perlen und alles Mögliche gemischt um den Hals, also ein variables Portfeuille.




1 Geldschnur, Papua Neuguinea, Mitte 19. Jahrhundert
Materiel: Kleine Kaurischnecken (Cypraea moneta), Pflanzenfasern
Masse: Länge (getreckt) 64 cm
Dieses alte, einfach geflochtene Geldband diente wahrscheinlichweniger als Schmuck denn als Geldreserve und Zahlungsmittel
2 Geldschnur, Papua Neuguinea, Mitte 19.Jahrhundert
Material: 39 Kaurischnecken (Cypraea moneta), Pflanzenfasern
Masse: Länge ca 46 cm, Durchmesser ca 19 cm
Sehr altes, kunstvoll gearbeitetes Objekt, das als Geldreserve ebenso verwendet wurde wie als Halsschmuck.
3 Stirnschmuck, Papua Neuguinea, Mt Hagen Gebiet,
19. Jahrhundert
Material: Kaurischnecken (Cypraea moneta), Pflanzenfasern
Masse: Gesamtlänge 48 mm, Länge des mit Schnecken bestückten Teiles 23 cm, Breite in der Mitte 4.5 cm
Mit handwerklichem Geschick gearbeitete Geldband, das als Stirnschmuck verwendet wurde. Solche alten Originalarbeiten sind heute nur noch schwer zu erhalten.
4 Brustschmuck, Papua Neuguina, Mt Hagen Gebiet, ca 1950
Aus einer Goldlippen-Perlmuschel (Pinctada maxima) geschliffen, mit Bohrverzierungen
Masse: 14,8 x 5 cm, Materialdicke ca 1.2 bis 2,8 mm,
Dieser Brustschmuck ist bei den Bergstämmen der Papuas auch heute noch sehr gefragt und kostbar. Der Tauschwert eines solchen Stückes kann mehrere Schweine oder sogar eine heiratsfähige Frau betragen. Die halbmondförmigen Schilde werden oft über Generationen vererbt.
5 Rohschale der Riesen- oder Gelblippen-Perlmuschel (Pinctada maxima)
Herkunft: Papua Neuguinea, Insel New Brittain (das früher deutsche Neu-Pommern),
Masse: 31 x 25 cm,
Diese Muschel kann einen Durchmesser von über 30 cm erreichen, sind in dieser Grösse aber extrem selten. Es ist dies das Rohmaterial aus dem Nr. 4 und 6 geschliffen wurde.
6 Angeschliffene Schale einer Goldlippen-Perlmuschel (Pinctada maxima)
Herkunft: Papua Neuguinea, Insel New Ireland (das früher deutsche Neu-Mecklenburg)
Masse: 24.8 x 20.6 cm,
Ein Halbfertigprodukt, aussen geschliffen, in diesem Zustande werde sie dann in die Berge von Neuguinea geliefert. Deutlich sind aussen die Borlöcher eines Parasiten zu sehen. Sobald die Parasiten an die Innenwand gelangen, ruft dies ein schnelleres Wachstum des Perlmutts hervor, an der Innenseite klar als Höcker zu sehen.
7 Rohschale der Schwarzlippen-Perlmuschel (Pinctada margaritifera)
Herkunft: Papua Neuguinea, Duke of York Inseln (das früher deutsche Neu-Lauenburg), Masse: 19 x 16.3 cm
Auch diese Muschelart wird häufig zu Schmuckzwecken verarbeitet und dient den Bergstämmen auch als Tauschmittel. Die Muscheln erreichen einen Durchmesser bis 25 cm, die Schale ist aber wesentlich dünner. Deshalb werden aus den Schalen kleinere Teile gefertigt wie Ohr- und Nasenringe oder finden Verwendung an Masken und Kleidern.
8 Geschliffene Schale einer weiteren Perlmuschelart
Herkunft: Papua Neuguinea, Duke of York Inseln
Masse: 14 x 11.5 cm
Die Schale dieser Art ist schichtig aufgebaut und wird auch für Kleinschmuck verarbeitet.
9 Geschliffene Schale einer Perlmuschel, 19. Jahrhundert
Schale aussen geschliffen und mit Ritzmuster verziert
Herkunft: Papua Neuguinea, New Ireland
Masse: 12 x 11 cm
Hervorragende handwerkliche Arbeit, einfach aber trotzdem stilvoll. Solche verzierten Muschelschalen repräsentieren bei den Papuas der Berge einen hohen Wert. Oft wird im spitzen Teil der Schale ein Loch gebohrt, um sie als Schmuck zu tragen.
10 Nautilus-Schale mit Schabmuster, 19. Jahrhundert
Masse: 15.5 x 12 mm, Öffnung 8.6 cm,
Schalendicke 0.8-1.6 mm
Nach Angaben des Vorbesitzers, einem 1979 etwa 80 jährigen Englanders, der in New Ireland eine Kokos-und Kakaoplantage besass, sollen diese wunderschön gearbeiteten Schalen als Tauschobjekt (eine Art Geld) im Handel mit den Bergbewohnern Neuguineas verwendet worden sein.
11 Ein zweites Exemplar
Masse: 16 x 12 cm, éffnung ca 8.4 mm,
Schalendicke 0.7-1.3 mm
Der Nautilus gehört zu den Tintenfischen und nicht zu den Muscheln. Die Muster entstanden, indem die oberste Kalkschicht bis zur harten Perlmuttschicht abgeschabt wurde. So entstanden die Ranken-Blumen und Schmetterlingsmuster.
12 Nautilusschale, Rohschale, aufgesägt, sehr deutlich kann man den inneren Aufbau mit den einzelnen Kammern sehen.
Masse: 20 x 16.5 cm
Herkunft: Papua Neuguinea, Inseln des Bismarck-Archipels
13 Glocke, zusammengeknotet aus einer Cypraea testudinaria und einer Turitella-Art
Masse: ca 4.4 x 12 cm
Interessantes Beispiel einer Verwendung als Schmuck, Wertsache und als Gebrauchs-gegenstand
14 Naturperle, Papua Neuguinea, Duke of York Inseln
Aus der Goldlippen-Perlmuschel
Masse: 13 x 20 x 22 mm, 4.0 gr.
Auch diese Perlen werden oft als Geld oder Tauschobjekt benutzt, nicht eben häufig in dieser Grösse, Form und Farbe


PHILIPPINES

Am Schluss des Berichtes ist noch ein Halsschmuck von den Philippinen aufgeführt. Auch in abgelegenen Bergengebieten der Insel Mindanao werden noch Muscheln, Glasperlen, bunte Steine oder Bronzeglöckchen als Schmuck und als Tauschgeld verwendet. Die kleinen Glöckchen werden in der verlorenen Form gegessen, jedes davon ist also ein Unikat.

15 Halsschmuck, Philippinen, Insel Mindanao, Parker Mountains
Material: Glasperlen, Bronze-Glöckchen
Masse: ca 80 cm
Als Halsschmuck von den Frauen des Stammes der T'boli getragen. Eingearbeitet sind kleine Bronze-Glöckchen, die in der verlorenen Form gegossen wurden, jedes einzelne Stück ist deshalb ein Unikat. Je nach Grösse und Mehrteiligkeit der Kette kann auf die Wohlhabenheit der Familie geschlossen werden. Im Verlaufe der Zeit werden laufend Glasperlen und Glocken eingearbeitet.

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