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Preisgestaltung bei antiken Münzen


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Leider ist es nicht so einfach, Preise für antike Münzen in Tabellen und Verzeichnissen festzulegen wie bei den modernen Münzen. Bei den römischen Münzen gibt es zum Glück dank KAMPMANN und KANKELFITZ zwei Kataloge, in denen man Richtpreise nachschlagen kann. Für die griechischen, römischen und byzantinischen Münzen ist der SEAR (nur in englischer Sprache und die Werte in britischen £) bei Sammlern sehr beliebt, auch hier findet man Richtpreise; bei den Bronzen in der Erhaltung schön (s), bei Edelmetallmünzen in sehr schön (ss). Die Preise sind zum Teil allerdings aus den 70er Jahren, die Kataloge wurden ohne Preiskorrekturen neu aufgelegt. Die Feststellung der Erhaltung ist bei antiken Münzen ungleich schwieriger als bei modernen Münzen, obwohl die Kriterien dieselben wären. Bei einer über zweitausendjährigen Münze ist man rasch einmal weniger kritisch als gegenüber einem gestern geprägten Euro. So gibt es bei der Einschätzung der Erhaltung oft grosse Unterschiede. Bei antiken Münzen gibt es oft preisliche Quantensprünge zwischen s und vz oder sogar stempelfrisch! Wenn man die Auktionen der grossen Münzenhäuser mit ihren professionellen Numismatikern aufmerksam verfolgt, kann man sehr grosse Unterschiede feststellen: Was beim einen ein vorzüglich (vz) ist, bewertet ein anderer als höchstens ein sehr schön (ss). Die Edelmetallmünzen sind oft in vz Qualität recht häufig, da diese Münzen nur in den Händen von reichen Leuten zirkulierten und zur Vermögensanlage benutzt wurden. Ganz anders hingegen die Bronzemünzen und auch die Silberkleinstmünzen, die ja das Geld des „gemeinen“ Volkes waren. Dieses Kleingeld wechselte fast Täglich den Besitzer und wurde in Lederbeuteln, Tontöpfen und Kleidertaschen herumgetragen. Somit sind diese Münzen in absoluter Topqualität ungleich seltener zu finden als die Gepräge aus Edelmetall. Dazu kommt, dass Bronzemünzen sehr anfällig für Korrosionen sind, leicht säurehaltige Böden zerstören die Bronze, Edelmetall hingegen korrodiert äusserst selten. Silbermünzen werden gelegentlich durch Hornsilberauflagen unansehnlich.

Zur Preisbildung kommen aber noch andere, ebenso wichtige Kriterien ins Spiel:

A
Erhaltung, Qualität der Verarbeitung:
Da die antiken Münzen einzeln manuell von Hand geschlagen wurden, gleicht auch keine Münze der anderen. Da können dezentrierte Auflage der Stempel, zu kleine oder zu wenig erhitzte oder unsorgfältig hergestellte Schrötlinge Fehler wie Risse, Löcher, Metallausbrüche verursachen. Oft erleiden die aus gehärtetem Eisen gearbeitenden Stempel Risse, die man dann auf der geprägten Münze sieht. Schon die Zeit der ersten Münzen rief Fälscher auf den Plan. Unedle Schrötlinge aus Bronze oder Eisen wurden mit dünnem Gold- oder Silberblech überzogen und dann geprägt. Im Fachjargon werden diese Münzen als subaerat bezeichnet. Zur Kontrolle der Echtheit wurde in der antiken Zeit mit einem Meissel eine Kerbe, sogenannte Prüfhiebe, in die Münze geschlagen, oft mitten ins schönste Münzbild. Alle diese Fehler mindern den Wert einer ansonst perfekten Münze zum Teil erheblich.


B
Stil:
Der bei der Bewertung oft unterschätzte Münzstil: Die Schönheit einer Münze beeinflusst massgebend den Liebhaber. Um den Zahlungsverkehr flüssig zu gestalten mussten tausende oder zehn-, ja sogar Hunderttausende von Münzen geprägt werden, was viele Stempelschneider erforderte. Reiche Städte oder Herrscherhäuser konnten es sich leisten, die Besten ihres Faches anzustellen. Leerten sich die Vermögen durch Kriege, Katastrophen oder Seuchen, holte man sich billiger arbeitende Künstler, die aber auch eine geringere Qualität in der Gestaltung und Ausführung erreichten. Über die Jahrzehnte änderte sich auch das Weltbild und damit die künstlerischen Vorstellungen und Moden der Menschen (wenn auch nicht so rasch wie heute)! Es entstanden wahre Hochburgen kulturellen Schaffens, so ist man sich heute weitgehend einig, dass die Prägestätten, die in Sizilien (dort insbesondere Syrakus) arbeiteten, die wohl besten Stempelschneider und damit die schönsten Gepräge herausbrachten. Ich möchte hier nur zwei der berühmtesten Künstler aus Syrakus nennen, Euanetos und Kimon, die ihre Münzen oft signierten. Den Stil zu beurteilen ist wohl der schwierigste Teil der Werteinschätzung.

C
Patina:
Die Patina, die oft einem Modetrend unterliegt: Auch da muss man einige Kriterien beachten. Ist die Patina zu dick, sodass Legende und Münzbild fast verschwinden, mindert dies den Wert einer Münze. Fast alle Farben des Regenbogens kommen als Patina auf Münzen (vor allem Bronzen) vor. Wie erwähnt, ändern sich die Geschmäcker und beeinflussten durch die Bevorzugung einer bestimmten Farbe der Patina den Wert. Der satte Seidenglanz einer malachitgrünen Tönung lässt das Sammlerherz höher schlagen, die goldgelb schimmernde Tiber-Patina war lange ein preistreibender Faktor, viele Sammler lieben eine dunkle bis satt schwarze, emailglänzende Patina. Eine fleckige Patina kann für sich allein sehr reizvoll sein, stört aber oft das Münzbild und dies wiederum beeinflusst den Preis. In trockenen sandigen Gegenden verbindet sich der feine Sand mit der wachsenden Patina. Eine solche Kombination kann bei Bronzemünzen einen besonders reizvollen Effekt hervorrufen, das feinsandige Feld kontrastiert mit der glänzenden Patina an den erhabenen Stellen. Also nie eine solche Münze reinigen! Eine matte Bröckelpatina ist weniger beliebt und es besteht die Gefahr, dass es bei ungeeigneter Aufbewahrung zu Ausblühungen von Kupfersalzen kommen kann. Eine solche Patina splittert oft in kleinen Stücken ab und mindert den Wert einer Münze massgeblich. Die mit Chemikalien und groben Bürsten scharf gereinigten Münzen, bei denen die Patina entfernt wurde, steht am unteren Ende der Wertskala.


D
Seltenheit, Häufigkeit:
Die Seltenheit oder Häufigkeit einer Münze muss unbedingt in die Beurteilung des Preises einfliessen, dies aber nur mit Beachtung der oben erwähnten Gesichtspunkte: Die Seltenheit einer Münze allein bestimmt noch nicht ihren Preis. So gehören die Eule von Athen zu den begehrtesten Sammlermünzen, die Schildkröten von Aegina, die erste Münze von Europa, m u s s der Sammler einfach haben, eine Tetradrachme des berühmten Königs Alexander III. des Grossen ist schon geschichtlich eine Notwendigkeit, die Goldstatere eines Philipp II. von Makedonien, eine der prachtvollsten Schöpfung griechischer Stempelschneidekunst, ist ein echt begehrtes Gepräge. Alle sind im Verhältnis zur Häufigkeit relativ teuer. Man findet meist mehreren Stücken in den Auktionskatalogen, die antike Münzen anbieten. Auch in den Depots der grösseren Münzenhandlungen oder an Münzenbörsen kann man oft aus grösseren Serien auswählen. Auf der anderen Seite gibt es wirkliche Seltenheiten, die an Auktionen höchstens ein paar hundert Euros einbringen, diese sind dann aber unscheinbar, wenig geschichtsträchtig oder von weniger berühmten Städten. Oft werden einzelne begehrte Münzen über Jahrzehnte äusserst selten angeboten, dann wird irgendwo ein Hortfund entdeckt, die Münzen überschwemmen dann den Markt und der Preis fällt zusammen, wie jüngst mit den goldenen Kosonstatere oder den Silbermünzen der Könige von Paeonien.

E
Metall:
Auch das Metall hat einen immensen Einfluss auf die Preisbildung: Wer ist nicht fasziniert vom Wort Gold! Es lässt die Sinne beben, man denkt unwillkürlich an den Stand des eigenen Kontos, eine Goldmünze ist eine Augenweide und oft der Blickfang der Sammlung. Da die Gold- und auch die Elektronmünzen (Elektron ist eine in der Natur gediegen vorkommende Legierung von Gold und Silber, oft aber auch ein durch Silber gestreckte Münze als Wertgewinn) logischerweise sehr viel seltener sind als Münzen aus unedlen Metallen, sind sie ein massgebender Faktor des Preisgestaltung. Auch Silbermünzen sind begehrte, prächtige Kleinodien, bei denen das Material den Preis mitbestimmen kann. Das häufigste Münzmetall der antiken Griechen war Bronze, eine Legierung von Kupfer und Zinn, oft auch noch mit Beimischungen anderer Metalle. Die Münzen aus diesem Material sind die günstigsten Stücke. Dies heisst aber nicht, dass Bronzemünzen nicht auch teuer sein können. Gerade einige italienische und sizilianische Bronzen erzielen nicht selten Gebote im vierstelligen Eurobereich, wenn alle die positiven Komponenten stimmen. Für den Sammler mit einem kleinen Geldbeutel aber sindgerade diese Bronzen reizvoll, die Vielfalt der Münzenbilder ist schier unübersichtlich. Bereits für einige Euros erhält man ganz nette Bronzemünzen, die stilistisch und in der graphischen Gestaltung und Schönheit den edelmetallenen Prägungen kaum nachstehen.


F
Kauf und Verkauf:
Wo kauft der Sammler antike Münzen? Der erfolgreiche Schnäppchenjäger muss sich in der Materie gut auskennen, wenn er wirklich eine echte Münze zu einem Billigpreis kaufen kann. Oft findet man in Krabbelkisten interessante und seltene Münzen, allerdings meist in schlechterer Erhaltung. Wer für eine Spezialsammlung zum Beispiel alle Münzen einer antiken Stadt oder von jeder Stadt eine typische Münze oder besondere Themen, von denen es ja viele gibt, Zeusköpfe, Flussgötter, Tierdarstellungen, Pflanzen auf Münzen usw. sammeln will, wird nicht umhin kommen, auch schlecht erhaltene Münzen in seine Sammlung aufzunehmen, weil er keine besser erhaltenen findet. Da muss jeder Sammler selber entscheiden, wie viel er für eine von ihm gesuchte Münze ausgeben will, weil es eben keine verbindliche Preisliste geben kann. Auf Münzenbörsen und bei guten Münzenfachgeschäften findet man meist gute Stück zu reellen Preisen, wobei sich ein Preisvergleich am besten auf einer Börse anbietet.

G
Fälschungen:
Ein besonderes Übel sind die in den letzten Jahren in Masse aufkommenden Fälschungen. Wer teure und sehr teure Münzen nicht im Fachgeschäft oder auf Auktionen kauft, muss ein hervorragender Kenner der Materie sein! Das vermutete Schnäppchen entpuppt sich sonst meist als Kuckucksei in Form einer Fälschung. Das Lehrgeld ist oft höher als wenn man eine etwas teurere Münze mit Garantie eines seriösen Anbieters ersteht. Speziell für den Anfänger empfiehlt es sich, nur bei den besten Numismatikern Münzen zu kaufen und sich mit den Eigenschaften und Stil der echten Münzen vertraut zu machen. Lieber zu teuer gekauft als etwas Falsches, bei einer Trouvaille vergisst man schnell den vielleicht zu hohen Preis, die Freude am Prunkstück bleibt! Eine Fälschung kann den Sammler über Jahre ärgern. Wahrscheinlich gibt es kaum einen Sammler, der nicht schon eine „Blüte“ in seine Sammlung aufgenommen hat. Es braucht wohl Jahre, bis man die Sensibilität für die edlen Antiken entwickelt und anhand des Stils die meisten falschen von den echten unterscheiden kann. Lassen sie sich nicht durch einen Fehlkauf entmutigen, ein solcher schärft das Auge und hält die Sinne wach!


Wir haben jetzt einige Kriterien aufgezeigt, die die Preise entstehen lassen. Jetzt kommt noch dazu, wer die Preise ansetzt und - auch die Preise bezahlt. Wie bei allen Gütern bestimmt der Markt auch bei antiken Münzen den Preis. Was ist begehrt? Wie viel will oder kann ich dafür ausgeben? Will ich die Münze für den Wiederverkauf oder für meine Sammlung erwerben? Studiert man die Auktionskataloge der renommierten Münzenfachgeschäfte, die durchwegs von hochqualifizierten Numismatikern zusammengestellt werden, wird man unschwer feststellen, dass die Schätzpreise oft weit neben den erzielten Preisen liegen. Wenn wir als Hobbysammler feststellen, wie schwierig es ist, sich in diesem Preischaos zurechtzufinden, dürfen wir mit ein wenig Schadenfreude auf diese Spezialisten blicken, die tagtäglich und beruflich mit diesem anspruchsvollen Gebiet der antiken Numismatik zu tun haben. Wenn an einer Auktion mehrere Bieter dieselbe Münze unbedingt haben wollen, kann der Preis fast ins Uferlose steigen. Auf der anderen Seite bleiben Münzen dann liegen die, obwohl sie eigentlich preiswert wären, keinen Interessenten finden.

Und zum Ende noch folgende Bemerkung:

!Gier frisst Hirn!